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Die Forschung diktiert uns neue Methoden

Das Präimplantationsgesetz (PID) kann unter vielen Aspekten betrachtet werden. Meine Meinung bei dieser Frage ist konservativ.

Am 14. Juni werden wir über Änderung der Bundesverfassung zur Präimplantationsdiagnostik abstimmen können. Was ist Präimplantationsdiagnostik (PID)? PID ist die genetische Untersuchung eines durch künstliche Befruchtung entstandenen Embryos vor der Einpflanzung in die Gebärmutter. Es werden dem Embryo eins bis zwei Zellen entnommen und nach Erbkrankheiten oder Fehlbildungen untersucht. Nur gesunde Embryonen werden eingepflanzt oder konserviert.

Heute steht in der Bundesverfassung, dass nur so viele menschliche Eizellen ausserhalb des Körpers der Frau zu Embryonen entwickelt werden dürfen, als ihr sofort eingepflanzt werden können. Das Gesetz sieht vor, dass dies maximal drei Embryonen sein dürfen. Weil heute alle Embryonen eingepflanzt werden müssen, gibt es oft Mehrlingsgeburten. Neu wird die Verfassung geändert und man schreibt, dass so viele Embryonen entwickelt werden dürfen, wie für die medizinisch unterstützte Fortpflanzung notwendig sind. Das Gesetz lässt hier neu maximum zwölf Embryonen zu. Neu dürfen Embryonen konserviert, das heisst tiefgefroren werden. So kann der Frau nur ein Embryo eingepflanzt werden, die weiteren stehen später zur Verfügung. Nach zehn Jahren müssen die Eltern entscheiden, ob die Embryonen vernichtet oder zur Forschung freigegeben werden. Gleichzeitig ist auch die PID zugelassen.

Der Bundesrat hat ein restriktives Gesetz vorgeschlagen, das die PID nur bei schweren Erbkrankheiten zulassen würde. Das Parlament hat dies erweitert und lässt mit der Gesetzesvorlage nun ein Test über alle Krankheiten zu. Begründet wird dies, dass so kranke Embryonen nicht erst eingepflanzt werden müssen, dass damit weniger Schwangerschaftsabbrüche stattfinden, dass die PID schon in vielen Ländern zugelassen sei und dass dieses Gesetz für Medizin und Forschung ausgewogen und zeitgemäss sei. Eine Tatsache ist, dass heute viele Ehepaare diese Möglichkeit im Ausland wahrnehmen und dies soll in Zukunft auch in der Schweiz möglich sein.

Gegen diese Vorlage spricht, dass der Schutz der Embryonen in Zukunft nicht mehr gewährleistet ist. Überzählige Embryonen werden konserviert, unerwünschte vernichtet. Die Frage stellt sich, ob es in Zukunft lebenswerte und nicht lebenswerte Menschen gibt. Auch stellt sich die Frage, ob Eltern, die zu einem behinderten Kind stehen, diskriminiert werden.

Ich lehne diese Verfassungsänderung, ganz besonders in Verbindung mit der jetzigen Gesetzesvorlage ab. In der Debatte äusserte man sich klar gegen Designerbabys, man will auch keine Retterbabys erlauben. Das sind Kinder, die gezeugt werden, um Geschwister zu retten. Wer garantiert mir, dass ich nicht in zwei Jahren schon wieder die nächste Gesetzesänderung zu diesem Punkt diskutiere und dies dann trotzdem verlangt wird – weil es im Ausland auch schon heute möglich ist. Nur die PID zu begründen und der bei schweren Erbkrankheiten zuzustimmen, wäre nachvollziehbar. Ich könnte unter restriktiven Bedingungen dem sogar zustimmen. Aber mit der Ausweitung des Gesetzes wurden wieder Schranken geöffnet, die für mich ethisch nicht vertretbar sind.

Wir wollen alles regeln und das Leben selber bestimmen. Wir regeln die Geburten und wollen dort nur noch das Optimale zulassen, wir bestimmen auf der anderen Seite, wann wir sterben. Für mich hat das Leben einen anderen Stellenwert. Ich glaube daran, dass unser Leben vorbestimmt ist, dass jemand unser Leben lenkt und ich finde, dass es Grenzen gibt, die mit meinem Glauben und meiner Überzeugung nicht mehr vereinbar sind, auch wenn die Forschung dies zulässt. Früher habe ich gesagt, dass ich dem Fortschritt zustimme, weil ich das, was ich selber nicht will, nicht anderen verwehren wolle. Leider gibt es aber nie einen Punkt, an dem man sich zufrieden gibt, man will immer die neusten Methoden umsetzen und der Mensch kennt die Grenzen nicht mehr, darum bin ich heute so weit, dass ich solche Gesetzesvorlagen nicht mehr unterstützen kann. Mir ist es aber sehr wichtig, dass man mit einer solchen Vorlage, keine Kampagnen machen kann, weder dafür noch dagegen. Jede und jeder muss dies für sich selber entscheiden können.

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